Hester Goodman über die neue Ukes-Show 'Ukulelescope'
Die folgenden Informationen über die neue Ukes Show 'Ukulelescope' wurden mir freundlicherweise von Hester per Email zur Verfügung gestellt.

Ukulelescope? O.k, ich werde versuchen, Dir ein wenig Hintergrundinformationen zu geben.
Im Herbst 2007 sprach mich jemand von "The Watershed" (Programmkino in Bristol) an und fragte, ob wir etwas für ihr Stummfilm-Festival 2009 machen wollten. Ich beschloß, daß ich das Projekt "anführen" wollte, und deshalb fing ich ab Januar 2008 an, ins BFI (The British Film Institute) im Zentrum von London zu gehen, um ihre Stummfilm-Archive durchzusehen und Filme auszusuchen, mit denen wir arbeiten wollten.
Schon 2005 hatte uns jemand vom BFI angesprochen und George und ich hatten uns dort mit der Aussicht auf ein Projekt ein paar alte Britische Stummfilmkommödien und einen Werbespot für Zigaretten angesehen. Aber wir waren immer mehr beschäftigt und das Projekt blieb irgendwann auf der Strecke.
Ich fing also an, Filme auszusuchen, die wir benutzen könnten. Ich wußte von den "Kommödien", daß wir keine von ihnen nehmen wollten (alles aus der Stummfilmzeit, das als "Kommödie" beschrieben wird und nicht schon sehr bekannt ist, ist möglicherweise so witzlos, wie sonst etwas). Trotzdem erinnerte ich mich an die Zigarettenwerbung und die mochte ich.
Ich schaute mir viel an, sah Kurzfilme, lange Spielfilme, es blieb mal mehr, mal weniger hängen, und dann stieß ich auf kurze "one reelers", das sind kurze Stücke Film, die nur eine oder zwei Minuten dauern. Sie behandeln alle möglichen Themen und sind einfach wundervolle kleine Schnipsel aus einer anderen Zeit. Diese spornten meine Phantasie an und so begann ich bald eine ganze Liste von kurzen Stücken Film, die ich benutzen wollte, zusammen zu tragen. Ich war nicht wirklich sicher, wie, aber ich wußte, daß ich die Show irgendwie wie eine existierende Ukes Show haben wollte, zum Beispiel mit Liedern und Melodien, aber alles begleitet von einem oder mehreren Stücken Film. Das ist es also, was ich machte.
Ich stellte auch Nachforschungen über frühe Unterhaltung an, die Film einschloß. Es gab da Abende in einem Saal, wo man vielleicht hingehen würde und unter anderem eine Wochenschau, eine Kommödie, ein paar kurze "interessante" Filme anschauen würde und wo es auch Musik geben würde. Das hörte sich interessant an und ich mochte die Idee eines "gemischten Programms" von allen möglichen Dingen, im Gegensatz zu einfach nur einem Film. Das war also meine Herangehensweise. Ich fand mehr Werbespots und letztendlich benutzten wir drei davon.
Es gibt eine Menge kurzer Clips zu ähnlichen Themen, aus denen ich Montagen machte, wie z.B. "Arten der Fortbewegung" und "Arten der Ertüchtigung". Es sind auch ein paar "singende Bilder" dabei, das waren frühe Ton-Tests, bei denen jemand ein Lied in eine Kamera singt.
Es gibt auch ein paar wissenschaftliche und Natur-Informationsfilme. Das Ergebnis dieser Sache war, daß wir jetzt eine Show mit Filmstücken hatten, die alle zwischen drei und sieben Minuten dauern, also die perfekte Länge für Songs. Ich war also mit all diesen Stücken in der Lage, diese Show genau so aufzubauen, wie ich sie wollte, anstatt einen langen Film zu nehmen und nur die Lichter für eine Stunde auszumachen. Das hätte auch ein interessantes Projekt sein können, aber die kurzen Clips erschienen uns zu diesem Zeitpunkt mehr angemessen.
Auch werden diese Clips nie gezeigt und man sollte sie wirklich sehen. Also war es die nächste Aufgabe, über Musik für sie nachzudenken. Wie du weißt, sind wir bekannt für unsere Cover-Versionen, aber mir war sehr bewußt, daß ich hauptsächlich Eigenkompositionen für Ukulelescope haben wollte. Also machten George und ich uns daran, sie zu schreiben. Es ist ungefähr zu 70% eigenes und ein paar sehr sorgfältig ausgewählte Cover-Versionen. Im Januar dieses Jahres war die Show gerade so fertig und wir konzentrierten uns für drei Wochen auf intensives Proben. Es war anstrengend, aber jeder nahm sich wirklich zusammen, um sie passend zu meiner ursprünglichen Vision zu gestalten.
Als wir sie in Bristol aufführten, wurde sie unglaublich gut aufgenommen. Es waren viele Menschen aus der Stummfilm-Welt da. Sie wurde vom BFI als 'ein Triumph' beschrieben und es gab eine Menge Interesse von anderen Veranstaltungsorten. Ich war so zufrieden und stolz darauf, wie es gelaufen war und damit, wie alle meine wundervollen Kollegen im Orchester ihre übliche Magie webten und voll und ganz hinter dem Projekt standen, um es zu dem Erfolg zu machen, der es war.
Ich denke, es ist eine andere Interpretation der üblichen Herangehensweise an den Stummfilm. Und das Zeigen kurzer Stücke im Gegensatz zu einem ganzen langen Film sorgt für einen ganz anderen Unterhaltungsabend und für einen, der ganz des UOGBs Kragenweite ist.
Und der Name, Ukulelescope? Es gab eine frühe Kamera, "Bioskop" genannt, welche ihren Namen auch einem Magazin und dem skurrilen Unterhaltungsabend lieh, also erschien es angemessen, ihn für unsere Zwecke ein wenig zurechtzufeilen.
Zusätzliche Fragen und Antworten
- A: Ich würde nicht automatisch eine Verbindung zwischen dem, was das Ukulele Orchestra "üblicherweise" macht und Stummfilmen sehen. Was waren die ursprünglichen Ideen, die die Leute vom Watershed und dem BFI im Sinn hatten, als sie an dich herantraten?
- Hester: Nein, ich denke, es gibt keine unmittelbare Verbindung abgesehen von der Tatsache, daß wir ein kleines Orchester sind und daß ursprünglich Stummfilme von kleinen Bands oder Orchestern begleitet wurden. Ich habe dem English Chamber Orchestra zugesehen, wie es zu einem Stummfilm spielte, und kürzlich wurde einer von Portishead (eine Band aus Bristol) beauftragt, den Soundtrack für einen Spielfilm zu schreiben. Als das BFI ursprünglich auf uns zukam, schlugen sie vor, wir sollten uns ein paar wenig gesehene Britische "Kommödien" anschauen, die ich, denke ich, schon erwähnt habe. Aber sie waren möglicherweise das unlustigste, das ich je in meinem Leben gesehen habe. Ich denke nicht, daß sie sich vorgestellt hatten, daß wir so etwas machen würden, wie das, was wir schließlich daraus machten und so waren sie etwas irritiert von meiner Auswahl an Filmen, als ich die Show zusammensetzte. Sie waren allerdings überrascht und erfreut zu sehen, was wir daraus gemacht hatten.
- A: Ukulelescope ist wie eine existierende Ukes Show? Also wie ein Konzert mit Songs und ein paar Scherzen dazwischen, nur zusätzlich mit den Filmclips, wie eine neue visuelle "Dimension"?
- Hester: Ja, ziemlich, nur daß es wirklich um die Filme geht. Die Scherze bleiben im selben Geiste wie eine normale Ukes Show. Aber diese Filme sind schön und und sie haben etwas so profundes an sich ihres Alters wegen, etwas so zeitloses beim Beobachten von Menschenmengen oder von Blumen, die sich öffnen. Es ist nicht nur Kommödie, aber es hat all die Elemente einer Ukes Show, z.B. Kommödie, Schönes, große Energie, Traurigkeit, Freude... etc, etc.
- A: Deine Beschreibung läßt mich irgendwie an Varietétheater denken, ist das die Art von Atmosphäre, mit der Ukulelescope arbeitet?
- Die Art, wie der Abend aufgebaut ist, hat diese Atmosphäre, ja, aber wir versuchen nicht offen so zu tun, als wäre es Varieté. Obwohl ich denke, was wir machen, hat so oder so seine Wurzeln im Varieté (gleichzeitig mit Kunstschule, Punk und darstellender Kunst!!).
- A: Ich vermute, die "extrem sorgfältig ausgewählten" Cover Versionen sind dann eine Überraschung. Kannst du dir jetzt vorstellen, mehr Eigenkompositionen in euren anderen Konzerten zu haben?
- Hester: Ohne Zweifel - irgendwann einmal. Wir werden die Sachen aus Ukulelescope in unseren normalen Shows nicht spielen, obwohl es verlockend wäre. Aber wir arbeiten im Moment an einem Album mit Eigenkompositionen. Die Leute klammern sich bei dem, was wir tun, an den verdrehten Cover-Aspekt, aber wir sehen das nur als einen Aspekt.
- A: Was ist die "übliche" Herangehensweise an den Stummfilm?
- Hester: Solo Klavier oder ein kleines Orchester, das improvisierte oder komponierte Musik spielt, die eine Stimmung suggeriert und Zeitlosigkeit, aber das interagiert nicht wirklich mit dem Film selbst. Die Dinge ändern sich aber und es gibt ein paar wahre Meister, wie z.B. meinen sehr guten Freund Neil Brand, der vielleicht der 'Doyen' der Stummfilmwelt hier drüben ist. Ich wollte nicht nur etwas gewagter und verspielter mit Musik umgehen, sondern auch Stimme, Stille und Toneffekte benutzen (alles natürlich entweder mit Stimme oder Ukulele erzeugt).
- A: Bioskop? Das ist das "Bioskop" der Brüder Skladanowski aus Berlin, nicht? Nach (der deutschen) Wikipedia haben sie ihre Erfindung in einer Art Varietétheater vorgestellt, daher scheint mir die Referenz zu ihrer Erfindung über den Namen perfekt zu passen.
- Hester: Ja, das ist es. Danke, Ich bin froh, daß du ihn magst.
- A: Gibt es eine Chance, daß ihr das bald einmal in Deutschland aufführt?
- Hester: Ich hoffe das ernsthaft. Ich würde das gerne so oft wie möglich aufführen. Ich liebe die Show, obwohl ich weiß, daß sie sich entwickeln und ein wenig verändern wird mit den Aufführungen. Das ist gut so, weil ich uns als einer Einheit absolut vertraue und ich weiß, jeder genoß die Aufführung in Bristol.



