Interview mit Dave Suich vom 20.11.2008 im Cecil Sharp House
Hier endlich die Audiodatei mit dem Interview, für das sich Dave freundlicherweise kurz vor dem Konzert zur Verfügung stellte. Weiter unten gibt es eine vollständige deutsche Übersetzung dazu.
MP3: Interview mit Dave Suich, Cecil Sharp House, 20.11.2008 (13:35 Minuten)Deutsche Übersetzung des obigen Interview mit Dave Suich vom 20.11.2008
Dave: Ja, das ist ein Test, sind wir da? Ich habe sie gefragt, ob sie den furchtbaren Krach nebenan abstellen können. Sie machen diesen schrecklichen Krach, wenn sie auf ihren Ukulelen spielen. Deshalb dachte ich, wir machen da besser gleich zu.
Manchmal klingt es, als hätte man Flamenco Tänzer über sich, wie ein Stampfclub [Anm.: Dave trommelt auf dem Tisch]
A: Laß uns loslegen: Die erste Frage: Wo bist Du aufgewachsen und wann wußtest Du, daß Du Musiker werden willst?
Dave: Also, ich wurde in Erith geboren, das ist im Nordwesten von Kent und wird nun zu einem Teil Südost-Londons. Da bin ich auch aufgewachsen.
Ich wollte immer Musiker werden, seit ich die Beatles gesehen habe. Ich denke, ich wußte noch nicht mal, daß George Harrison so ein begeisterter Ukulele Spieler war, aber das ist es, was ich wollte und ich bekam meine erste Beatles-Gitarre, als ich etwa sechs Jahre alt war. Ich denke, ich habe damals schon gesungen, ich war im Schulchor, also klar, ja, ich habe gesungen, als ich etwa sechs oder sieben war, glaube ich. Wenn's darum geht, wann ich angefangen habe, zu spielen, das war vermutlich ein wenig später.
A: Also wußtest du schon in dem Alter, daß du Musiker werden würdest?
Dave:: Ich wollte sicher irgendwas in der Art werden. Ja, ja, ja.
A: Du gehörst zur ursprünglichen Besetzung des Ukulele Orchestra, kannst Du mir etwas darüber erzählen, wie Du zum Ukulele Orchestra kamst?
Dave: Einige aus dem Ukulele Orchestra studierten in den Siebzigern in Leeds und dann ein paar Jahre später, in den frühen Achtzigern, als viele von uns entweder nach London zurückgekehrt oder dort hingezogen waren, haben wir uns wieder getroffen.
Und nachdem man einige dieser Leute zuvor getroffen hatte, kannte man sich gut genug, um nicht vorgestellt werden zu müssen. Aber trotzdem, als sie mich zum ersten Mal fragten, ob ich dieser Band beitreten möchte, die sie "The Ukulele Orchestra of Great Britain" nannten, dachte ich nur, das wäre ein schicker Kunstschulname für eine gewöhnliche Band. Erst als ich dort auftauchte, wurde mir klar, daß es wirklich ein Ukulelenorchester war.
A: Aber du hast schon vorher Ukulele gespielt?
Dave: Ich hatte angefangen, ein wenig Ukulele zu spielen, als ich Kindertheater machte. Ich habe viel Kindertheater, sonderpädagogische Aktivitäten, Spielprogramme und Drama und solche Sachen gemacht. Das war auch die Gelegenheit, bei der ich anfing, Ukulele zu spielen.
A: Aber du mußt schon ganz gut gewesen sein zu jener Zeit, wenn du eingeladen wurdest, mitzuspielen?
Dave: Ich denke, es war so. Zu jener Zeit war es jeder, der eine Ukulele hatte, denke ich. Aber natürlich, ja, es ist nett eingeladen zu werden.
A: Du mußt jemanden beeeindruckt haben?
Dave: Ich erinnere mich an unserem ersten Gig. Da saß ich
irgendwo in der Mitte, aber weil ich irgendwie dauernd so auf und ab gehüpft
bin, haben sie mich ans Ende gesetzt und da sitze ich seitdem.
A: Das ist der Grund?
A: Hast oder hattest du einen Tagesjob, abgesehen von der Arbeit als Ansager?
Dave: Wie du schon sagst, Ich habe einiges an Kinder-Drama, sonderpädagogisches Theaterspielen, Spielprogramme und Musik, solche Art von Arbeit gemacht. Also, Theater und Erziehung. Ich habe auch viel gegärtnert. Wenn man Künstler sein will, muß man die ersten zwanzig Jahre seine Großmutter belügen. Weil sonst wird sie einen dazu bringen, sich einen richtigen Job zu suchen.
Also macht man so ungefähr ein Spielprogramm pro Woche, einen Nachmittag Rasenmähen. "Mir gehts gut, Mir gehts gut, Mir gehts gut..." So zwingen sie einen nicht, einen richtigen Job zu suchen. Weil, das Problem ist, wenn man tatsächlich etwas Arbeit als Musiker findet, denken sie, man wäre ein Millionär und verstehen nicht, daß man jetzt gerade mal so viel verdient, wie das, was man ihnen zwanzig Jahre vorher immer vorgelogen hat, was man verdienen würde, damit sie einen nicht zwingen, sich einen richtigen Job zu suchen.
A: Es hatte also abgesehen vom Gärtnern meist etwas mit Musik zu tun?
Dave: Ja, ich würde sagen, Musik und Gärtnern. Das ist immer noch die Art von Dingen, die ich mag, aber das sind auch die wesentlichen Dinge, die ich für Geld gemacht habe, abgesehen von den Auftritten, würde ich sagen.
A: Ich kenne schlimmere Jobs als diese.
Dave: Ja, oh ja, es gibt schlimmere Jobs als die.
A: Du hast ein Nebenprojekt, die Missing Puddings.
Dave: Ja!
A: Was für eine Art von Musik ist das und hast du immer noch Zeit mit ihnen zu spielen?
Dave: Gerade genug Zeit, daß sie sich an meinen Namen erinnern. Ich mache ein bißchen was mit ihnen. Was wir machen, denke ich, ist ein wenig ethnisch urban-isch, folk-ig, pop-iges Zeug. Wir spielen Bouzoukis, das sind eine Art griechischer Mandolinen und vielleicht Djembe oder Bongos und dann vielleicht ein Baß oder eine Gitarre oder eine Melodica, das hängt davon ab, wer auftaucht. Es ist eine Art von urbanem folkigem Sound.
Und wir machen eher unsere eigenen
Kompositionen, die ich mit einigen anderen Mitgliedern der Band schreibe.
Also,
es ist für mich ziemlich erfüllend, einiges von meinem eigenen
Material zu singen. Und es ist noch mehr erfüllend und eigentlich großartig,
wenn man etwas von seinem eigenen Material singen kann und
auch noch andere Leute hat, die wissen, wie die eigenen Songs gehen. Das
ist ziemlich nett. Und jetzt kommt gerade Hester herein. Das ist Vergesslichkeit.
Ja,
jetzt ist sie wieder weg.
A: Das ist kein Problem.
Dave: Also, eines der interessantesten Dinge, die mir passiert sind, war ein Gig, den wir machten, und weil ich viel in sonderpädagogischen Bereichen arbeite, wurde der Gig in Gebärdensprache übersetzt. Sowohl für taube Leute, als auch für Leute, deren Muttersprache nicht das gesprochene Englisch ist. Und das interessante daran ist, der Gebärdendolmetscher mußte nicht nur auf die Worte, meine Worte, hören, sondern mußte dann auch noch sofort entscheiden, was sie bedeuten und erzählen, was ich sagte. Und weil sie doch Poesie sind, ist das schwer genug.
Und ich dachte, er mußte noch viel aufmerksamer zuhören, als jeder
andere, den ich je gekannt habe. Wenn man darüber nachdenkt, daß man
sich meist nicht darum zu kümmern braucht, was Songtexte bedeuten, egal
ob man sie mag oder nicht. Also, das war ein interessanter Mann. So, das ist
genug, wir haben ein paar CDs und wir machen ein paar Kleinigkeiten und eines
Tages, weißt du, werden wir die Welt-Tournee im Gefolge der Ukulelen
machen, wenn wir alle ein Jahr frei haben.
A: Ukulelen? Nicht Bouzoukis?
Dave: Also, es ist eigentlich, wir müssen sagen...
A: Ihr benutzt keine Ukulelen?
Dave: Nein, ich benutze tatsächlich keine. Obwohl Peter und Will in ihren Nebenbands sehr häufig Ukulelen einsetzen. Ich mache es mir zum Prinzip, keine Ukulele einzusetzen, nur zur Abwechslung, wirklich. Es gibt ein oder zwei Ukulele Tracks hier und da, es ist nicht ausgeschlossen, nur auch nicht lebensnotwendig.
A: Klingt auch ohne gut.
Dave: Ich sage oft: "Die Leute verwechseln mich mit einem Ukulele-Enthusiasten". Eine Sache beim Ukulele Orchestra ist, denke ich, daß manche Leute glauben, es wäre eine Gruppe von Ukulele Spielern, die zusammengekommen sind. Und in Wirklichkeit ist es aber eine Gruppe von darstellenden Künstlern, die zusammengekommen sind. "Vielleicht sollten wir einen neuen Wirkungskreis finden" sagten sie sich und benutzten Ukulelen, um das zu tun.
A: Nun hast du die Bouzouki schon erwähnt. Ich würde gerne wissen, was das genau ist?
Dave: Also, eine Bouzouki ist eigentlich eine große Mandoline. Sie hat üblicherweise vier Saitenpaare und sie wurde traditionell in griechischer Musik eingesetzt, obwohl es genaugenommen die griechische Musik der griechischen Gemeinschaft in Kleinasien ist, von rund hundert Jahren vor ihrer Vertreibung durch die, ich glaube, die Türken. Aber selbst damals war es eigentlich die griechische Musik, die die italienische Belcanto Musik kopiert hat, ein wenig so, als würde man sagen, die Beatles kamen aus Liverpool, aber sie haben trotzdem in gewisser Weise die amerikanische Musik kopiert.
Aber um es noch komplizierter zu machen, wird sie benutzt, um griechische Volksmusik zu spielen. "Zorbas, der Grieche" [Anm. d. Übers.: "Zorbas Tanz" oder "Sirtaki" aus dem Film "Alexis Sorbas"], vielleicht kennst du den Song, Mikis Theodorakis, das sind die berühmtesten Leute mit Bouzoukimusik. In den Sechzigern, ich denke, es war einer von "Sweeney's Men", eine "Irish Folk Person", ich habe seinen Namen vergessen, aber er war einer der ersten Leute, die mit den Hippies nach Griechenland gegangen waren und eine Bouzouki zurückgebracht haben.
Und sie ist wie eine Mandoline gestimmt, aber eine Oktave tiefer und sie fingen an, irische Folksmusik darauf zu spielen. Und wie mit dem Ukulele Orchestra, wenn manche Leute denken, wir sind Verräter, weil wir keine richtige Ukulelemusik spielen, hatte ich Leute, die entweder wieder irische Musik oder griechische Musik erwarteten. Und so sagten sie "Du kannst das nicht darauf spielen! Du kannst keine psychedelische Folk-Musik wie das auf der Bouzouki spielen! Du kannst das nicht darauf machen."
A: Ich denke, es ist immer eine gute Idee, etwas anderes zu machen.
Dave: Ich mag sie, sie hat eine Art -speziell die mit dem runden Rücken- sie gibt eine Art östlichen Twang. Es ist ein wenig Ethno-Folk-Fusion, man kennt das von dieser Ost-West... sozusagen "Sitar-und-Hippie-Scheiße".
A: "Hippish?"
Dave: Hippie Scheiße!
A: Ich würde das nicht sagen!
Dave: Das ist in Ordnung. Ich sag das gerne.
A: Wie kamst du dazu, Bouzouki zu spielen?
Dave: Ich mochte irgendwie entspannte folkige Musik immer recht gern. Ich mag zum Beispiel Crosby, Stills, Nash and Young, Ich mag diese Art von Bands die sozusagen vom Rock kamen, und zum Folk zurückgegangen sind.
A: Aber sie benutzen keine Bouzoukis?
Dave: Sie benutzen keine Bouzoukis, aber nachdem ich diese Art von Musik mochte, so ein wenig wie die Ukes, und ich war in einigen Bands, die keinen Drummer haben. Es ist mehr folkig. Einer der Gründe das zu machen, ist, daß sie dich spielen lassen. Wenn du einen Drummer hast, läßt dich niemand spielen, wenn ich das sagen darf.
Aber die Sache mit der Bouzouki. Nun, ein Freund von mir, er kam wortwörtlich einfach vorbei und sagte "Hey, schau, hast du schon mal eine von diesen gesehen? Man nennt es eine Bouzouki." Und ich mochte sie so sehr, daß ich sie nicht zurückgab. Und ich lieh sie und sie wurde mir ein paar Jahre später während des Glastonbury Festivals gestohlen. Wir wissen, Leanne Bower, das ist ein weiteres Mitglied der Ukule..., ah, Missing Puddings, sie nahm sie mit nach Glastonbury und sie wurde gestohlen, deshalb gibt es einen ganzen Song darüber1.
A: Das ist es, ein weiteres vermißtes Instrument?
Dave: Also das ist das erste. Bouzouki Nummer 1.
A: Was für andere Instrumente spielst du noch?
Dave: Oh, also, ich denke, ich spiele manchmal ein wenig Mundharmonika und ziemlich oft, wenn ich die Bouzouki spiele, nenne ich mich "Joe Bazouki", siehst du. Es gibt auch "Bazooka Joe" die Kaugummimarke, es ist eine Art Witz darüber und überhaupt den Namen zu benutzen. Aber oft spiele ich auch Bass. Eine Bassgitarre, wenn ich das sagen darf -jetzt habe ich das "G-Wort" benutzt- und Gesang.
Und recht oft sitze ich heutzutage bei einem meiner Freunde, Richie von den Missing Puddings. Er hat so eine Art Studio bei sich zu Hause, also nehmen wir etwas Gesang auf und sammeln ein paar Klänge, ein wenig von etwas seltsamem, weißt Du, wie den Klang von Pilzen in einer Teetasse. Diese Art von von Dingen auch, ein wenig Humor darin, aber ein bißchen Dance und Trance, es hat elektrische Beats, weißt du, es ist nicht nur rein folkig, es ist ziemlich, es kann ziemlich atmosphärisch oder psychedelisch oder hip-hop-isch oder althergebracht sein, wie auch immer man es nennen will.
A: Eine Auswahl von allem?
Dave: Ja, aber auf jeden Fall hat es oft einen Beat, weißt du, sozusagen wie ein Trance Beat, etwas in der Art.
A: Jetzt, die letzte Frage: Was sind deine Pläne für die Zukunft?
Dave: Pläne für die Zukunft? Also, ich denke, mit etwas Glück werde ich morgen einkaufen gehen können. Und dann nach dem Wochenende habe ich vielleicht die Chance, beide Anzüge gewaschen zu bekommen während wir ein paar Proben haben. Wir proben, die Ukes proben für ein Stummfilm-Projekt. Also, wir spielen Musik zu Stummfilmen... [Anm.: Das Telefon klingelt.] es ist das Telefon! Es ist das Telefon. Es klingelt um mich zum Millionär zu machen. Um mir Millionen und Millionen von Pfund zu bringen. Also, ich sage...
A: Sollte man es nicht beantworten?
A: Ah nein, das geht in Ordnung. Ist wahrscheinlich die falsche Nummer, es ist möglicherweise jemand, der versucht uns Doppelglasfenster zu verkaufen oder so.
A: Doppelglasfenster...
Dave: Ich denke, das ist es dann. Nächstes Jahr viel Arbeit, Europa, Großbritannien, wir bringen diese zwei Alben heraus, wir haben ein Weihnachtsalbum, wir haben ein Weihnachtskonzert wofür wir etwas weihnachtliche Musik machen.
Worauf ich auch ganz gespannt bin, wir haben ein ganzes Album mit Eigenkompositionen und halb fertige Sachen in der Hinterhand, die ich sehr gerne machen würde. Und dann, wenn wir wirklich, wirklich, wirklich reich sind, dann werden wir sechs Monate frei nehmen und wir werden wie die Grateful Dead sein und alle unsere eigenen Soloprojekte in Pompei [Anm.: wie Pink Floyd] aufführen oder irgendwas und dann hoffentlich wieder einkaufen gehen.
A: Vielen Dank.
A: Bitte sehr.
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- Der Song heißt "Crawling through a Pipe" auf dem Album
San Bazoukistan Man. Das Album kann
auf
der Website des Ukulele Orchestra bestellt werden.




