Ein Abend in Cecil Sharp House
Bericht vom Konzert am 20.11.2008
Am Nachmittag hatten mich die Ukes zu den
Dreharbeiten für die BBC Sendung
"The Culture Show" am Camden Market mitgenommen. Danach hatten wir
in einem lokalen Restaurant eine Kleinigkeit gegessen und während die anderen
schon vorgelaufen waren, ging ich gemeinsam mit George zurück. Hester hatte
mich gebeten, ihre Ukulele mitzubringen und es bereitete mir großes Vergnügen,
mit ihrem Ukulelekoffer in der Hand durch Camden Town zu spazieren. Es soll
ja Leute geben, die finden, es sieht unheimlich cool aus, wenn man mit einem
Ukulelekoffer unterwegs ist.
Als wir zum Cecil Sharp House zurückkamen, hatten die anderen
in der Kennedy Hall, dem Konzertsaal, schon alles für den Soundcheck
vorbereitet und warteten auf George. Ich begrüßte
kurz Richie, der am Nachmittag nicht dabei gewesen war und machte Fotos,
während
sie die Technik testeten. Wieder oben im Büro bekam ich zu meiner großen
Freude von Jodi mein Exemplar der neuen
Live-CD ausgehändigt.
Ich hatte auch ein paar Fragen für Dave vorbereitet und da noch genug
Zeit war, konnte ich im Büro ein kleines Interview mit ihm machen.
Das Ergebnis findet sich
hier
(als MP3 und deutsche Transkription).

Die Kennedy Hall ist der große Konzertsaal des Cecil Sharp House und bietet Platz für rund 420 Besucher. Besonders abends sorgt die dunkle Holzvertäfelung für eine warme, gemütliche Atmosphäre.
Die ersten Besucher hatten schon während des Soundcheck draußen im Foyer angestanden, um sich die besten Plätze zu sichern. Als ich kurz vor Beginn des Konzerts hinunter ging, war dann aber richtig viel los.
Die drei Leute neben mir erzählten mir, daß das ihr allererstes Ukes-Konzert wäre und daß sie überhaupt nicht wüßten, was sie hier erwartete. Ich versprach, daß es ihnen garantiert auch gefallen würde.
Viele waren aber offensichtlich nicht zum ersten Mal da, auch eine größere
Delegation vom
Ukulele
Cosmos, dem großen
englischen Internetforum für Ukulelespieler hatte sich eingefunden.
Die Stimmung war einfach großartig und es machte ungeheuren Spaß zuzusehen, wie die Ukes mit dem Publikum interagierten. Zwischenrufe trugen zur allgemeinen Erheiterung bei und die Ukes ließen sich regelrecht davon anspornen. Ein paar Mädels von der linken Seite forderten "Psycho Killer, please!". Ohrenbetäubendes Kreischen aus derselben Ecke, als Will viel später ihren Wunsch tatsächlich erfüllte. Fangirls!

Und während Peter eine "kleine Anekdote" über James Bond erzählte, konnten sich selbst Jonty und George das Kichern nicht verkneifen. Dem folgte dann eine im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubenden Version des James Bond Titelsongs "Thunderball". Unter tobendem Beifall hielt Peter den Schlußton unglaubliche 22 Sekunden lang!
Wie schon in Gütersloh erwähnte George auch diesmal meine Website und erläuterte
dem amüsierten
Publikum, daß
sie "eine Fansite und daher voller nützlicher Informationen
sei - im Gegensatz zu ihrer eigenen Website...". Hier der
Original-Sound-Schnipsel
dazu (MP3)
Ich hatte mir Sorgen um Jontys Stimme gemacht, weil er erkältet war und beim Sprechen etwas heiser klang, aber umso mehr beeindruckte er, als er Life on Mars sang und die großen Intervalle und hohen Töne perfekt meisterte. Es hatte ihn selbst etwas überrascht, gestand er hinterher.
Der ganze Abend war das reinste Vergnügen. Die Klangqualität war so gut, daß es selbst meinen ungeübten Ohren auffiel. George und Richie begründeten das mit dem Talent des Tonmeisters. Jeremy Farnell, normalerweise der Manager von Django Bates, war für den unabkömmlichen Doug Beveridge am Mischpult eingesprungen.

Auch die Setliste hätte meinen Geschmack kaum besser treffen können. Ob George daran gedacht hatte, wie begeistert ich beim letzten Mal von "Crazy" und "Monster" war, als er sich für die zwei Songs entschied? Aber es gab ja noch so viel mehr Leckerbissen: Limehouse Blues mit fetzigem Bass-Solo, Daves "When You Are Smiling", das jedem ein Lächeln auf die Lippen zauberte, Hesters rührend traurige Version von Bernsteins "America", Back in Black mit phenomenalem Solo von Richie, Wuthering Heights - diesmal ein "Folksong aus West-Yorkshire"... und natürlich Psychokiller - Will's Ausdruckskraft ist fast schon beängstigend. Zum heiteren Abschluß gab es Serge Gainsbourgs "Je t’aime... moi non plus". Die Interpretation der sechs Männer und einer Frau fügt Serge Gainsbourgs Schmusesong eine ganz neue Dimension hinzu - das muß man gesehen haben!
Kaum hatten die Ukes die Bühne verlassen, wandte sich meine Nachbarin mit glänzenden Augen und einem strahlenden Lächeln wieder zu mir: Ich hatte nicht zu viel versprochen. Jetzt haben die Ukes drei Fans mehr.



